Espresso zuhause: Wie man ohne Profi-Maschine guten Espresso macht
Was ist Espresso eigentlich?
Espresso ist kein Mahlgrad und keine Bohne -- es ist eine Zubereitmethode: heisses Wasser unter Druck durch fein gemahlenes Kaffeepulver pressen. Druck (7-9 bar), Temperatur (92-94 Grad), Kontaktzeit (25-30 Sekunden) und Mahlgrad (sehr fein) ergeben zusammen das charakteristische Ergebnis: konzentrierter, koerperreicher Kaffee mit Crema. Die Crema (die goldbraune Schicht obenauf) entsteht durch Emulgation von Kaffeeoelen unter Druck und ist ein Qualitaetsindikator -- keine Crema bedeutet meistens nicht genuegend Druck oder falscher Mahlgrad.
Espresso ohne teure Maschine: die Mokapot
Die Bialetti Moka Express (und ihre vielen Nachahmer) erzeugt 1-2 bar Druck auf dem Herd -- kein echter Espresso, aber ein konzentrierter, aromatischer Kaffee der als Espresso-Ersatz taugt. Preis: 20-40 Euro. Rezept: feines Kaffeepulver (feiner als Filterkaffee, nicht so fein wie Espresso) in den Siebtraeger, Wasser bis unter das Ventil in den Kessel, auf mittlerer Hitze erhitzen bis Kaffee in den oberen Teil stroemt (nicht sprudelt). Sofort vom Herd nehmen wenn der Kaffee komplett hochgelaufen ist. Mokapot-Kaffee unterscheidet sich von Maschinespresso -- er hat keine echte Crema, aber sehr gutes Aroma.
Guenstige Espressomaschinen
Unter 200 Euro gibt es Espressomaschinen (DeLonghi ECP, Krups, Sage Bambino), die echten 9-bar-Druck erzeugen und guten Espresso liefern wenn man eine ordentliche Muehle hat. Die Maschine ist in dieser Preisklasse oft nicht das limitierende Faktor -- die Muehle ist es. Eine guenstige Maschine mit guter Muehle (100-150 Euro, z.B. Baratza Encore, Eureka Mignon Filtro) liefert bessere Resultate als eine teure Maschine mit einer Schlagmuehle.
Der Mahlgrad ist entscheidend
Espresso erfordert den feinsten Mahlgrad aller Bruehmethoden. Zu grob: Wasser laeuft zu schnell durch (Unterextraktion, sauer und duenn). Zu fein: Maschine kann kaum druecken, bitterer Geschmack (Ueberextraktion). Die richtige Einstellung: 25-30 Sekunden Bezugszeit fuer einen Doppelshot (18g Pulver auf 36g Espresso out). Jede neue Kaffeesorte und jede neue Bohne erfordert eine Anpassung des Mahlgrads. Eine gute Muehle mit vielen Einstellstufen (mindestens 40 Schritte) ist deshalb so wichtig.
Warum guter Espresso teuer bleibt
Ehrlichkeit: sehr guter Espresso (nahe Barista-Qualitaet) zuhause kostet Geld und Zeit. Gute Maschine: 400-800 Euro. Gute Muehle: 150-400 Euro. Lernzeit: Wochen bis Monate bis die Einstellungen konsistent sitzen. Das macht es zu einem Hobby, nicht nur einem Getraenk. Wer gelegentlich guten Kaffee moechte ohne grossen Aufwand: guter Filterkaffee oder AeroPress liefern oft befriedigendere Resultate als ein schlecht eingestellter Espresso.